Fachvorträge 10.11.2018

Hier finden Sie Informationen über die diesjährigen Fachvorträge.


Frau Dr. med. Sabine Gleich
Institut für Rechtsmedizin der Universität München

Polypharmazie wird definiert als regelmäßige Einnahme von täglich mindestens fünf Arzneistoffen. Das trifft nach aktuellen Daten für 75% der deutschen Bevölkerung mit einem Alter von mehr als 65 Jahren zu. Wesentliche Ursachen sind die Multimorbidität alter Menschen und das Verordnen von Medikamenten nach den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften durch behandelnde Ärzte.
Polypharmazie hat Konsequenzen: rund 50.000 Patienten werden Hochrechnungen zufolge jährlich in Deutschland durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) dauerhaft geschädigt oder sterben. Zudem sollen etwa 1,5 Prozent aller Klinikeinweisungen im Zusammenhang mit UAW stehen.
Im Vortrag werden Ursachen und Risikofaktoren von Seiten der Patienten für das Auftreten einer Polypharmazie dargestellt. Diskutiert werden die aus verschiedenen Gründen unterschiedlichen Folgen von Pharmakotherapien, dargestellt klinisch relevante Interaktionen und bestehende Kontraindikationen bei ausgewählten Medikamentenkombinationen. Praktisch erläutert wird dies an Ergebnissen einer derzeit am Institut für Rechtsmedizin der Universität München laufenden Studie zur Medikamententherapie in stationären Pflegeeinrichtungen. Diese Ergebnisse können in wesentlichen Punkten auf die ältere, zu Hause lebende, ggf. auch autofahrende Bevölkerung übertragen werden. Es existieren fachliche Empfehlungen, die den behandelnden Ärzten eine risikobasierte Unterstützung bei der Auswahl für alte Menschen geeigneter Medikamente geben und einen Beitrag zur Vermeidung von Polypharmazie leisten können.
Zusammenfassend ist die Beurteilung der Medikation eines alten Menschen und deren mögliche klinische Auswirkung vielschichtig und immer eine Einzelfallbetrachtung notwendig. Polypharmazie hat Auswirkungen nicht nur auf die Betrofffenen, bei der Verordnung von Medikamenten besteht eine große ärztliche Verantwortung, nicht zuletzt können rechtliche Konsequenzen für den behandelnden Arzt resultieren.