Fachvorträge 18.11.2017

Hier finden Sie Informationen über die diesjährigen Fachvorträge.


Herr Dr. Klaus Bauer
Institut für Rechtsmedizin der LMU München

Potentialanalyse aktueller Fahrerassistenzsysteme in Hinblick auf die Vermeidbarkeit von tödlichen Verkehrsunfällen auf Landstraßen

Unfälle auf Landstraßen sind besonders häufig schwerste Unfälle. Im Jahr 2015 starben rund 60% aller Verkehrsteilnehmer auf Landstraßen, obwohl hier lediglich 25 % aller Unfälle mit Personenschaden registriert wurden.

In Hinblick auf ihr mögliches Unfallvermeidungspotential auf Landstraßen sollen aktuelle Fahrerassistenzsysteme im Bereich Fahrstabilität (elektronisches Stabilitätsprogramm), Längsdynamik (automatischer Notbremsassistent) und Querdynamik (Spurhalteassistent) analysiert werden.

Anhand von Daten des statistischen Bundesamtes werden zunächst typische Unfallszenarien ausgewählt. Basierend darauf werden im Weiteren aus der Unfalldatenbank des Instituts für Rechtsmedizin der LMU tödliche Realunfälle ausgesucht, die anschließend detailliert rekonstruiert und analysiert werden. In der Potentialanalyse der Assistenzsysteme werden die Unfälle selbst wie auch ausgewählte Systemparameter in gewissen Bandbreiten variiert, um Hinweise auf sinnvolle zukünftige Entwicklungsschwerpunkte erarbeiten zu können.

Die typischen Szenarien sind der Fahrunfall mit Verlust der Fahrstabilität, der Fahrunfall mit Abkommen in der Kurve und der Kreuzungsunfall. Insbesondere der Spurhalteassistent (unter Voraussetzung einer idealen Arbeitsweise) wie auch der Notbremsassistent scheinen ein hohes Potential zur zukünftigen Vermeidung von schweren Verkehrsunfällen bzw. der Reduktion der Unfallschwere aufzuweisen, obwohl teilweise noch deutliches Optimierungspotential besteht.

Bei zukünftigen Entwicklungen müssen neben technischen und infrastrukturellen Aspekten jedoch auch rechtlichen Problematiken diskutiert werden. Nur so können Voraussetzungen geschaffen werden, um das Potential von Assistenzsystemen weiter erhöhen zu können.