Fachvorträge 17.11.2017

Hier finden Sie Informationen über die diesjährigen Fachvorträge.
Die Aktualisierung zu diesen folgt in kürze.

WORKSHOP I

Rückmeldefahrt
Design und Anfoderungen


WORKSHOP II

Alters- und krankheitsbedingte Mobilitätshindernisse und Hilfsangebote



UM 18:30 UHR ABENDESSEN UND GEDANKENAUSTAUSCH

Herr Siegfried Brockmann
Leiter Unfallforschung der Versicherer (UDV)


Das fahrleistungsbezogene Risiko, einen Unfall mit Getöteten zu verursachen, ist für Senioren jenseits des 75. Lebensjahres so hoch, wie in der Hochrisikogruppe der 18 – 21-jährigen Kraftfahrer. Daraus ergibt sich angesichts des demographischen Wandels und der deutlichen Zunahme der Führerscheinbesitzer in dieser Altersgruppe, dass wir schon in wenigen Jahren auf ein großes Problem bezüglich der Unfallauffälligkeit älterer Kraftfahrer zusteuern. Der Deutsche Verkehrsgerichtstag 2017 hat dieses Problem ebenfalls gesehen und die Entwicklung und Evaluierung einer begleiteten Rückmeldefahrt empfohlen, die zunächst freiwillig eingeführt werden soll. Falls die Maßnahme nicht auf ausreichende Teilnehmerzahlen kommt, soll sie auch obligatorisch eingeführt werden. Das Referat wird noch einmal Forschungslage und Datenbasis beleuchten und sodann die bisherigen Fortschritte bei der Entwicklung eines entsprechenden Instruments darlegen. Sowohl die Unfallforschung der Versicherer als auch die Bundesanstalt für Straßenwesen haben mit Beginn des Jahres 2017 in enger Zusammenarbeit die entsprechenden Arbeiten aufgenommen, sowohl die Rückmeldefahrt selbst, als auch mögliche Verbesserungsmöglichkeiten betreffend.

Herr Dr. Peter Meintz
· rund 30 Jahre in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim ADAC Westfalen e.V.
· zudem verantwortlich für den Leistungsbereich Technik, einschl. vier Prüfzentren des ADAC
· Thematische Schwerpunkte: Verkehr, Technik, Kraftstoff- und Fahrzeugmärkte, Tourismus
· Studium der Geographie, Volkswirtschaft und Publizistik
· Lebensmittelpunkt aus Überzeugung im Ruhrgebiet


Mit dem FahrFitnessCheck bietet der ADAC interessierten Autofahrern bundesweit die Möglichkeit, ihre Fahreignung unter realen Bedingungen und durch fachkundige Begleiter einschätzen zu lassen.

Durchgeführt wird das Programm von geschulten Moderatoren oder Fahrschulen, die auf vertraglicher Grundlage den FahrFitnessCheck vor Ort umsetzen.

Das Programm selbst beginnt mit einem Gespräch, bei dem die Fahrgewohnheiten der Teilnehmer erörtert und darauf aufbauend eine ungefähre Fahrtroute festgelegt werden. Als zentrales Element erfolgt dann eine begleitete Fahrt mit einer Dauer von etwa 45 Minuten. Abschließend wird eine Nachbesprechung durchgeführt, bei der anhand der vorangegangenen Beobachtungsfahrt Hinweise für die weitere Teilnahme am Straßenverkehr gegeben werden.

Ein zentraler Aspekt für die Akzeptanz bei den Teilnehmern besteht darin, dass die Fahrt im eigenen Fahrzeug stattfindet. Und vielleicht noch wichtiger, dass kein Führerscheinverlust droht, da keine Weitergabe der Ergebnisse an Behörden oder die Familie erfolgt.
Im Jahr 2016 haben etwa 2.000 Personen den FahrFitnessCheck absolviert. Durch häufigere Berichterstattung, verstärktes Problembewusstsein und eine stetig wachsende Zielgruppe ist für die Zukunft mit weiter steigenden Teilnehmerzahlen zu rechnen.

Herr Peter Eichhorn
Fahrlehrer und Kraftfahreignungsberater
Vorstandsmitglied im VDK
Geschäftsführer der VerkehrsAusbildungEichhorn GmbH


Aufgrund der demographischen Entwicklung gibt es immer mehr ältere Kraftfahrer, diese haben nach dem Erwerb ihrer Fahrerlaubnis kaum an Weiterbildungen teilgenommen oder Gesundheitsprüfungen durchgeführt, die für die Gruppe 1 auch nicht vorgeschrieben sind und freiwillig nicht gemacht werden.

Im Alter wird man mit dem Nachlassen seiner Fähigkeiten konfrontiert wird, wobei dies nicht unmittelbar mit dem kalendarischen Alter in Verbindung zu bringen ist. Sehkraft, Reaktionsfähigkeit, Überblicksgewinnung, usw., können nachlassen, es können Erkrankungen auftreten, die das sichere
Führen eines KFZ einschränken oder ausschließen.

Mobilität im Alter ist wichtig und soll so lange wie möglich erhalten bleiben. Dazu müssen die Fahrer ausreichend Eigenverantwortung entwickeln und selbst entscheiden, ob und wann sie freiwillig geeignete Maßnahmen für die Erhaltung oder Wiederherstellung ihrer Mobilität ergreifen, insbesondere deshalb, da der Gesetzgeber keine Maßnahmen vorsieht und dies auch nicht zu erwarten ist.

Der VDK hat das Seminar 65+ entwickelt, hier können Interessierte freiwillig Ihre Leistungsfähigkeit und die Qualität ihrer „Auto-Mobilität“ prüfen lassen.

Das Seminar 65 + besteht aus drei voneinander unabhängigen Modulen, einem Leistungscheck, einer Rückmeldefahrt und einem Gespräch zur Vermittlung von Wissen und Kompensationsmöglichkeiten.

Es zeigt objektiv den Leistungsstand und erkennt verschiedene Defizite. Teilnehmer erhalten eine schriftliche Zusammenfassung ihrer Leistung sowie Empfehlungen für die weitere Erhaltung oder Verbesserung ihrer Mobilität. Damit wird eine weitere und möglichst langfristige sichere Teilnahme am Straßenverkehr ermöglicht.

Prof. Dr. med. Michael Falkenstein, Dipl.-Psych., Dipl.-Ing.
Leibniz Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo)
Institut für Arbeiten, Lernen, Altern (ALA)


Mit zunehmendem Alter treten im Mittel Veränderungen sensorischer, motorischer und mentaler
(kognitiver) Funktionen auf, die das alltägliche Leben beeinträchtigen können, vor allem in komplexen und unerwarteten Situationen beim Autofahren. Altersbegleitende funktionelle Veränderungen können sich somit auch auf das Fahrverhalten in solchen Situationen auswirken und hier zu einem höheren Unfallrisiko führen.
Zu den wichtigsten Maßnahmen zur Förderung der Fahrtüchtigkeit Älterer gehören individuelle Trainingsmaßnahmen. Die wichtigste und natürlichste Trainingsmaßnahme ist das Fahrtraining im Realverkehr. Ein alternativer Ansatz ist das Training komplexer Fahrsituationen im Fahrsimulator. Schließlich sind körperliche und kognitive Funktionstrainings zu nennen.
Ein Fahrtraining im Realverkehr zielt darauf ab, das Fahren in verschiedenen schwierigen Situationen im realen Verkehr vertiefend einzuüben. Eine solche Trainingsstudie im deutschsprachigen Raum ist die Dortmunder Fahrtrainingsstudie. Nach dem Training erreichten die älteren (70+) Fahrer das Leistungsniveau, welches untrainierte Autofahrer mittleren Alters auf der Teststrecke zeigten. Relativ gute Fahrer benötigten nur wenige Fahrten, während relativ schlechte Fahrer ein längeres Training benötigten.
Trainings am Fahrsimulator erbringen ebenfalls klare Verbesserungen des Fahrverhaltens Älterer;
sie sind jedoch technisch aufwändiger als das Fahrtraining im Realverkehr.
Kognitive und körperliche Funktionstrainings zielen auf das Training wichtiger fahr-relevanter Funktionen. Sie haben den Vorteil, dass sie sehr einfach und ohne Trainer durchzuführen sind und allenfalls einen PC benötigen. Etliche Studien zeigen, dass ein PC-basiertes kognitives Training kognitive Funktionen Älterer verbessern kann; bei einigen Studien zeigen sich zudem auch Verbesserungen des Fahrverhaltens. Auch motorisches und koordinatives Training bewirkt offenbar klare Funktionsverbesserungen und wirkt sich teilweise positiv auf das Fahrverhalten Älterer aus. Hierzu sind weitere Studien notwendig.

Herr Dipl.-Psych. Theo Mooren
Arbeitskreis „Älter werden in Wolbeck“


Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind gegenwärtig an Demenz erkrankt. Die Zahlen sollen bis 2050 auf über 5 Millionen steigen. Die Krankheit kann jeden treffen. Das bedeutet, dass die Betroffenen zumindest in der Anfangsphase noch aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. „Einen Menschen, der an Demenz erkrankt ist, sofort ins Pflegeheim zu bringen, kann nicht die Lösung sein“. Familie, Nachbarschaft und Ehrenamtliche sind aufgefordert, die Erkrankten und ihre Angehörigen zu unterstützen. Damit dies zu leisten ist, muss das Wissen um Demenz, die Folgen und die Unterstützungsangebote bekannt sein bzw. im Vorfeld vermittelt werden. Dieses Ziel hat der Arbeitskreis „Älter werden in Wolbeck“ aufgegriffen und eine Vortragsreihe mit erfahrenen Spezialisten als Referenten entwickelt. Folgende Themen werden von Juni bis November 2017 im Ortsteil Münster-Wolbeck angeboten:
1. Medizinische Aspekte und die Folgen
2. Rechtliche Folgen einer Demenz
3. Demenz und Fahrerlaubnis
4. Unterstützungsangebote
5. Finanzielle Auswirkungen einer Demenz für die Familie
Auf jede einzelne Veranstaltung wird mit einem eigenen Plakat, einem eigenen Flyer und einem Pressegespräch und Vorbericht aufmerksam gemacht. Über die Inhalte der Vorträge wird die Presse im Einzelnen berichten.
Das Thema Fahrerlaubnis und Verkehrsteilnahme erhält stadtweit eine besondere Aufmerksamkeit. Hier ist es gelungen, Polizei, Führerscheinstelle und den Verband-Deutscher-Kraftfahreignungsberater an einem Termin als Referenten zu gewinnen. Fachlich wird die Veranstaltung unterstützt von den Alexianern Münster GmbH, dem Betreuungsverein der AWO in Münster und dem Sozialamt der Stadt Münster. Erste Erfahrungen werden berichtet.


Frau Silke Schmidtmann
Dipl.-Geografin, Verkehrsplanerin und ehem. Koordinatorin interdisziplinärer und interkommunaler Netzwerke für Verkehrssicherheitsarbeit
im Auftrag der Westfälischen Provinzial Versicherung AG

Mobilität kennt keinen Ruhestand – Aufklärung durch Information und Kommunikation

Senioren rücken zunehmend in das Bewusstsein aller, die sich mit Verkehrssicherheit beschäftigen. Grund ist der demografische Wandel. Die Ergebnisse der Unfallstatistik zeigen, dass die Unfallbeteiligung Älterer – bezogen auf deren Kilometerleistung – stark ansteigt und aufgrund des demografischen Wandels weiter steigen wird. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Betrachtung der Versicherungsfälle wieder.

So ist zwar eine langjährige Fahrpraxis und die damit verbundene Erfahrung ein großer Vorteil gegenüber jüngeren Fahrern. Nachlassende Sinnesorgane, eine eingeschränkte Beweglichkeit sowie die abnehmende Fähigkeit, sich in komplexen Verkehrssituationen zurechtzufinden, stehen diesem Vorteil jedoch gegenüber. Altersbedingte Leistungsdefizite treten bei einem Jeden unterschiedlich stark und zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf. Doch aufhalten können wir sie nicht. Bei allem technischen Fortschritt wird der Faktor Mensch in absehbarer Zeit weiter maßgebend für die Verkehrssicherheit sein. Somit ist jeder Verkehrsteilnehmer – unabhängig von seinem Gesundheitszustand – gefordert, komplex und schnell zu handeln.

Statt bestimmte Altersgruppen zu stigmatisieren, setzten die Westfälische Provinzial Versicherung AG und das Zukunftsnetz Mobilität NRW mit der Öffentlichkeitskampagne „Mobilität kennt keinen Ruhestand“ auf Aufklärung durch Information und Kommunikation. Die Öffentlichkeitskampagne richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern bezieht auch Angehörige und Kontaktpersonen mit ein, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Persönliche Ansprache und umfangreiche Medien, z.B. eine Fachausstellung, begleitende Broschüren oder Statements von Repräsentanten helfen dabei, das eigene Fahrverhalten besser zu reflektieren. Betroffene und Angehörige lernen, Wechselwirkungen von Erkrankungen und Unfallrisiken zu erkennen. Sie informieren aber auch über den effektiven Einsatz von Assistenzsystemen, über Gesundheitschecks und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Kommunen können die Medien kostenfrei bei der Westfälischen Provinzial Versicherung AG (www.sicherheitserziehung.shop beziehen und in der präventiven Verkehrssicherheitsarbeit für Senioren einsetzen, damit Senioren auch im Alter sicher mobil bleiben.

Herr Dietmar Laschinski
EPHK
Leiter der Verkehrsinspektion 1 des Polizeipräsidiums Recklinghausen, im Nebenamt seit 20 Jahren Lehrbeauftragter für Verkehrsrecht und Verkehrsmanagement an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW, Abteilung Gelsenkirchen


Verkehrsunfälle, an denen Senioren beteiligt sind bzw. die durch Senioren verursacht wurden, führen in den Medien immer wieder zu großem Aufsehen. Oftmals wird der Eindruck vermittelt, dass die Altersgruppe der Senioren aufgrund altersbedingter Einschränkungen eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellt. In diesem Zusammenhang wird in der Öffentlichkeit häufig eine Verstärkung präventiver Maßnahmen gefordert, wie z.B. eine Fahrtauglichkeitsüberprüfung ab einem Lebensalter von 65 Jahren oder auch die zeitliche Befristung von der Fahrerlaubnis. Fraglich ist jedoch, inwieweit der Senior durch seine altersbedingten Dispositionen gesundheitlich eingeschränkt ist und in welchem Maße sich diese auf die Teilnahme am Straßenverkehr auswirken.
In diesem Zusammenhang wird die Verkehrsunfallsituation einer Polizeibehörde beleuchtet. Sind spektakuläre Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Senioren signifikant für ein erhöhtes Altersrisiko im Straßenverkehr oder doch zufällige Erscheinungsformen?